Gymnasiale Oberstufenreform – aber bitte mit Religion!

Inmitten der nicht enden wollenden Diskussion dieser Tage, ob die Gymnasiale Reform, sprich das G 8, nicht einer Reform der Reform bedürfe, bereiten sich die bayerischen Gymnasien auf die Umsetzung einer Reform der Oberstufe vor, die mit dem übernächsten Schuljahr einsetzen soll.
Fest steht, dass die Religionslehre in den Jahrgangsstufen 11 und 12 mit 2 Wochenstunden verpflichtend belegt werden wird; fest steht, dass die Religionslehre als Abiturfach (mündlich oder schriftlich) gewählt werden kann. Sie behält somit in dem 5-Fächer-Abitur neben den Eckpfeilern Deutsch, Mathematik und einer fortgeführten Fremdsprache einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert. Die Erfahrungen mit Religionslehre als 4. Prüfungsfach (Colloquium) im G 9 jedenfalls verweisen, was Anzahl der Abiturienten und Ergebnisse betrifft, an unserer Schule auf eine große Beliebtheit.
Neu wird die Möglichkeit für Schüler sein, ein Wissenschaftspropädeutisches Seminar (W-Seminar) und ein Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminar) jeweils in einem Fach ihrer Wahl zu belegen: Wissenschaftliches Arbeiten erlernen, Berufswahl- und Berufsweltkompetenz erwerben, das sind grob die Ziele, die sich beide Seminartypen setzen – und die Religionslehre wird sich durch Angebote für die Schüler dieser Herausforderung stellen.

In den Äußerungen zum Fachprofil der Evangelischen Religionslehre laut Lehrplan G 8 heißt es nämlich:
„(…) Der evangelische Religionsunterricht erschließt jungen Menschen die religiöse Dimension der Wirklichkeit. Er begleitet Schüler bei ihrer Sinnsuche, bei ihrem Fragen nach Gott und der Welt und hilft ihnen, religiös sprachfähig zu werden. Dabei bietet er kirchlich Beheimateten und Distanzierten gleichermaßen die Möglichkeit, mit der christlichen Tradition ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Glaubens- und Werthaltungen kennenzulernen und zu verstehen, ihre Grundlagen und ihre sinnstiftende Funktion zu reflektieren und so einen persönlichen Standort zu finden und zu vertreten (…)“
Besonders wichtig aber erscheint mir, dass neben dem „Paket“ Lernziele im Religionsunterricht (nach wie vor) die Verbindung von Fachwissen und Lebenswissen steht:
„(…) Dem evangelischen Religionsunterricht entspricht ein Lehren und Lernen, das von Offenheit, Neugier, gemeinsamem Suchen und Ausprobieren und von Diskussion geprägt ist (…) Das Bemühen um ein ganzheitlich orientiertes und oft nicht abprüfbares „Lebenswissen“ spielt im Religionsunterricht neben den an Grundwissen ausgewiesenen kognitiven, operationalisierbaren Zielen und Inhalten eine wesentliche Rolle. Zum ganzheitlichen Lernen tragen auch Exkursionen und Projekte, Begegnungen mit außerschulischen Personen und Gruppen, Einsatz unterschiedlicher Medien, Klassenlektüren, Orientierungstage sowie Schulgottesdienste, Meditation und andere Formen religiösen Lebens an der Schule bei.“
Gehen wir Religionslehrer mit unseren Schülern also getrost mit dem Fach Religionslehre in die reformierte gymnasiale Oberstufe, bereit an der großen Aufgabe mitzuarbeiten, Lebenswissen zu vermitteln und zu erwerben!

Margit Schmidt