Mit dem Fahrrad auf den Spuren des Limes


Gut ausgestattet mit Fahrradtaschen, die voll bepackt mit Essen für das Grillen am Abend waren, startete so ein Teil der Gruppe unsere Tour früh morgens um 8 Uhr in Höchstadt am Gymnasium. Unser erstes Ziel sollte der Erlanger Bahnhof werden und über Neuhaus nach Röttenbach verlaufen, da die dort Wohnenden dann in die Fahrt einsteigen würden. Falls einige geglaubt hatten, dass unser Ausflug in gemütlichem Tempo und ohne größere Anstrengungen zu bewältigen war, so wurden sie spätestens am ersten größeren Berg eines besseren belehrt. Denn es waren zwei gut durchtrainierte Sportlehrer dabei, die gar nicht daran dachten eine gemächliche Geschwindigkeit vorzugeben. So schoben manche, glücklich über eine Pause, den verhängnisvollen Berg nach oben, um neue Kräfte zu sammeln. Leicht außer Atem kamen wir um 9.00 Uhr in Röttenbach an und trafen dort auf ausgeruhte Mitschüler, die sich über unsere erhitzen Gesichter wunderten. Doch immerhin waren wir nun vollzählig und hatten die erste Strecke ohne Pannen überlebt, was sich bald ändern sollte. Wir waren kaum im Wald Richtung Dechsendorf abgebogen, als es für uns zu einer unverhofften Pause kam. Eine Fahrradkette war nicht nur herunter gesprungen, sondern gleich gerissen. Während Herr Hipp zurück nach Röttenbach fuhr um den Schaden zu beheben, nutzen wir die Zeit um unsere Essensrationen des Tages aufzuessen. Nachdem die Kette 30 Minuten später repariert wieder an ihrem Platz saß, konnte die Fahrt weitergehen. Pannenfrei, erreichten wir Erlangen und spätestens jetzt verstanden die Späteinsteiger der Gruppe unserer frühe Atemlosigkeit.
Trotz des kleinen Unfalls hatten wir noch genügend Zeit eine weitere Mahlzeit einzunehmen und uns in zwei Gruppen aufzuteilen, denn wir fanden nicht alle in einem Zug Platz. Als wir endlich das Einsteigen in den Zug, das wegen der sperrigen Fahrräder sehr mühsam war, überstanden hatten, ließen wir uns glücklich in unsere Sitze zurückfallen und genossen die 45-minütige Zugreise. In Weißenburg angekommen warteten wir auf den anderen Teil der Gruppe, indem wir an einem Dönerstand unser wohlverdientes Mittagessen einnahmen. Mittlerweile machte sich auch die Wettervorhersage bemerkbar, die die zwei heißesten Tage des Jahres prophezeit hatte, denn außerhalb des Schattens war es unerträgliche 33 Grad heiß. Kurz nachdem den anderen auch noch eine Rast gegönnt war, ging die Fahrt weiter. Unser Tagesziel war ein kleiner Bauernhof, 30 km von Weißenburg entfernt und außerhalb eines Dorfes gelegen. Dort sollten unsere Zelte, die glücklicherweise am Tag zuvor mit dem Auto hingebracht worden waren, aufschlagen werden.
Wir hatten Weißenburg kaum verlassen und radelten noch nicht lange durch den Wald, als uns verkündet wurde, dass wir einen kleinen Umweg nehmen würden, um einen alten Turm der Römer zu besichtigen. „Wie? Das war kein Scherz mit dem Limes?“, wunderten sich viele, doch Herr Hipp blieb hart und wir durften eine viereckige Steinansammlung bewundern, die - wie Herr Hipp stolz erklärte - tatsächlich einmal ein echter römischer Aussichtsturm gewesen war. Wirklich beeindruckend, diese Römer!
Mit neuem Wissen und ziemlich erschöpft kamen wir unserem ersehnten Ziel näher. Die letzten fünf Kilometer jedoch, waren es wirklich nur fünf gewesen(?), stellten sich als besonders Kräfte zehrend heraus. Denn Herr Hipp stellte einige Orientierungsprobleme fest, die erst nach erkunden einiger neuer Wege, behoben werden konnten. Doch unsere Mühe wurde belohnt und wir erreichten einen idyllischen Bauernhof, mit einem kleinen See in der Nähe, der nur dazu einlud sich endlich aufzufrischen. Aber wie es so schön heißt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also wurden erst einmal Zelte aufgebaut und Holz für das Lagerfeuer gesammelt, bevor wir in das heiß begehrte Nass durften. Nach einer langen Wasserschlacht, bei welcher vor allem Herrn Hipp gezeigt wurde, wie die Wasseroberfläche von unten aussieht, gingen wir erschöpft und über und über von einer seltsamen Algenart bedeckt, zurück zu den Zelten. Dort entfachten wir das Lagerfeuer, um einmal mehr unsere hungrigen Bäuche zu füllen. Erschöpft vom vielen Essen, ausgepowert vom Fußballspielen und teilweise sehr verschlammt, denn nicht jeder kann ohne weiteres Wassergräben überqueren, warteten wir, bis das Feuer heruntergebrannt war, um dann unseren Zelten einen Besuch abzustatten oder wie einige die warme Sommernacht auch unter dem klaren Sternenhimmel zu erleben und eine beeindruckende Anzahl von Sternschnuppen zu zählen.
Viel zu früh mussten wir am nächsten Morgen aufstehen, denn auf dem Programm stand ein Museumsbesuch in Weißenburg, selbst verständlich über die Römer. Außerdem sollte auch das Schwimmbad vor Ort erkundet werden. Nach dem Abbauen der Zelte und dem Verzehren des Müslis, welches manche sehr an Vogelfutter erinnerte, verabschiedeten wir uns von den freundlichen Bauernhofbesitzern. Nun begann Teil zwei unserer Tortour.
Diesmal bekamen wir in regelmäßigen Abständen den Verlauf des Limes zusehen. Deshalb hielten wir öfter an, um den ausgiebigen Erklärungen unseres Römerfachmannes zu lauschen und Neues über den Grenzwall zu erfahren.
War der gestrige Tag als heiß bezeichnet worden, so war kein Wort mehr für den heutigen übrig, denn das Wetter war wirklich unerträglich. Fast jeder Berg stellte bald ein Hindernis dar, welches es zu überwinden galt. Aus diesem Grund machten wir schon weit vor Weißenburg in einem kleinen Dorf Rast und steigerten dort den Jahresumsatz eines winzigen Tante- Emma Ladens um 50%.
Mit dem Gedanken Freibad im Kopf, gelangten wir doch noch nach Weißenburg und genossen einen eineinhalbstündigen Aufenthalt im kühlen Wasser. Nachdem alle erfrischt waren und Herr Hipp einmal mehr seine Grenzen gesehen hatte, was über Wasser bleiben betrifft, verließen wir zu unserem Bedauern viel zu früh das Bad. Aber wir mussten uns auf den Weg zu dem Museum begeben. Im ersten Teil des Museums sahen wir ein ausgegrabenes und teilweise wieder hergerichtetes Thermalbad unserer alten Freunde. Nur leider befand sich dieses unter einem Glasdach, weshalb die Sonne erbarmungslos auf uns herunterbrannte und es so allen schwer fiel der Führerin unsere gesamte Aufmerksamkeit zu schenken. Doch im nächsten Teil, der sich glücklicherweise in einem angenehm klimatisierten Haus befand, sahen wir viele Dinge aus dem alltäglichen Leben der Römer und erfuhren auch einiges mehr über die Leute aus unserem Lateinbuch.
Nun galt es die Heimreise anzutreten und den Zug nach Hause zu erwischen. Glücklicherweise fanden wir diesmal alle in einem Zug Platz und erreichten Erlangen gemeinsam. Zurück in der nähren Heimat ließen sich schon die ersten am Bahnhof von ihren Eltern abholen und nur ein harter Teil legte auch die letzten Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Müde und erschöpft angekommen freuten sich sicherlich alle auf ihr weiches Bett.
Doch am Ende dieser Radtour gab es wohl niemanden, dem der Ausflug nicht gefallen hätte. Wider Erwarten blieb auch einiges über den Limes und seinen Verlauf und auch über unsere beliebten Römer in unseren Schülerkurzzeitgedächtnissen hängen. So kann Schule also auch verlaufen, fächerübergreifend würde der Fachmann sagen: Etwas Latein, Geschichte, ein wenig Erdkunde, viel schweißtreibender Sport. Und vor allen Dingen jede Menge Spaß! Man sieht, dass man Schule auch effektiv auf nette Weise gestalten kann und wer weiß, vielleicht lässt sich so etwas ja auch wiederholen??
Annegret Liepold, 8a