Englische Flieger stürzten in den Tod

Maschine der Royal Air Force ging bei Reuth nieder – Bomben auf Dörfer

Das eigentliche Ziel war Nürnberg. Doch litten unter den alliierten Bombenangriffen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, im Februar vor 60 Jahren auch die Dörfer und Städte um die Großstadt. Die folgen für unser Gebiet stellt die vierte Folge unserer Serie dar.

HERZOGENAURACH -  Im Februar 1945 wurde die Region um Herzogenaurach zum zweiten Mal vom Bombenkrieg in Mitleidenschaft gezogen. Die todbringende Ladung fiel auf das damals noch selbständige  Welkenbach und forderte zwei Todesopfer.
Für Herzogenaurach konnte M. Immaculata Hofmann, Oberin der Maria-Ward-Schwestern, am 3. Juli 1945 in ihrem Halbjahresbericht vermerken: „Der liebe Gott bewahrte uns gnädig vor allem Schaden durch feindliche Flieger obwohl der Flugplatz in der Nähe ist und die Feindmaschinen unaufhörlich über uns hinweg nach Nürnberg flogen.“ Allerdings wurden Welkenbach und Hauptendorf von Angriffen heimgesucht.
Der zweite Fliegeralarm für Herzogenaurach vom 25./26. Februar 1943 verschonte zwar die Aurachstadt. Brandbomben fielen aber auf Hammerbach und Welkenbach. Bei Weisendorf/Reuth stürzte ein Flugzeug ab. Die acht englischen Flieger kamen zu Tode und wurden am Herzogenauracher Friedhof beerdigt. Ihr Grab erhielt die Inschrift: „Hier ruhen acht englische unbekannte Soldaten“.
Bereits am 28. November 1944 war gegen 19 Uhr eine Bombe auf Hauptendorf gefallen. Dabei kamen drei Personen zu Tode. Der Bombentreffer im Anwesen Schühlein forderte das Leben der 68-jährigen Rosina Schühlein.

Fronturlaub zur Beerdigung
Als Opfer zu beklagen war auch deren 34-jährige Schwiegertochter Katharina sowie deren kleine Tochter Gertraud. Der Ehemann und Vater, der an der Front stand, durfte lediglich zur Beerdigung heim kommen.
Das Nachbaranwesen der Familie Peter Händel erlitt auch Schäden. Elisabeth Händel büßte durch Splitter ein Auge ein, verletzt wurden auch Margarethe Händel und Tochter Inge. Bei Fritz Nagel wurde das Dach in Mitleidenschaft gezogen. Das Anwesen der Familie Schmidt (Hausname Reichenbacher) wurde auch vollständig zerstört.
Am 23. Februar 1945 traf kurz vor 12 Uhr Mittag eine Bombe das Anwesen der Familie Kaltenhäusr in Welkenbach. Die Bombe drang an einem Hauseck in den Keller ein und detonierte dort. Durch die Wucht wurde das ganze Haus hochgehoben und sackte dann in sich zusammen. Da die Mutter und eine weitere Tochter Anna an diesem Tag mit dem Fahrrad nach Erlangen gefahren waren, befanden sich nur zwei Personen im Haus.
Die Tochter Margarethe wurde verschüttet, konnte aber von kriegsgefangenen Franzosen, die in Welkenbach bei den Bauern arbeiteten, ausgegraben werden.
Zu Tode kam aber die im Arbeitsdienst eingesetzte Katharina Dobrianska aus der Ukraine im Alter von 23 Jahren. Sie wurde am 26. Februar von Kaplansverweser Bohnekamp beerdigt. Im Anwesen kam sonst niemand zu Schaden, auch das Milchvieh im Stall blieb unbehelligt. Da in Welkenbach außer dem Treffer vom Milchhaus bis zum Kaltenhäuserschen Anwesen noch weitere sechs bis sieben Bomben niedergegangen waren, zerbrachen in der Umgebung sämtliche Fensterscheiben. Ein Blindgänger wurde erst einige Zeit später entschärft.
Ein weiteres Opfer war der Fuhrunternehmer Michael Holzammer aus Burgstall. Er hatte an diesem Tag eine Fuhre Heu in Nankendorf geholt. Holzammer war mit dem Fahrrad gefahren, während sein Knecht, ein polnischer Kriegsgefangener, das Pferdefuhrwerk gelenkt hatte und unbeschadet davonkam.
Auf der Höhe zwischen Welkenbach und Hammerbach, dem Lenzenberg, waren link und rechts der Straße große Bombentrichter. Am Straßenrand lag, von einem weißen Tuch abgedeckt, Holzammer, der vermutlich eher zufällig durch Bombensplitter getroffen worden war.
Auf Grund der immer näher rückenden Front sah sich der Gauleiter der Bayerischen Ostmark , Fritz Wächtler, dazu veranlasst, die Einwohner zum Endkampf zu mobilisieren. Er schrieb in einer schier endlosen Tirade: „Der bolschewistische Feind ist ins Reich vorgestoßen,…Wir feuern bis zum letzten Schuss!“
Wächtler nahm später ein unrühmliches Ende. Nach dem Vorstoß der Amerikaner wurde er im April 1945 wegen vorzeitigen Verlassens seiner Befehlsstelle in Bayreuth von einem SS-Kommando erschossen.