Schiller lockt mit heit'rer Kunst

Gedichtrezitationen

Gruppe aus dem Tartarus

Schiller
In dem fächerübergreifenden Projekt „Mit Schiller locken“ wurde dem Publikum in der vollbesetzten Aula durch Schauspiel, Musik, Tanz und bildende Kunst das literarische Erbe des Dichters mit allen Sinnen erfahrbar gemacht. Die Idee für diesen „Schillerabend“ hatte Hauptorganisatorin und Pädagogin Koschka Hildenbrand schon früh im Kopf gehabt, aber erst als sie mit ihrem Deutschleistungskurs der K12 zu Beginndes Schuljahres auf der Kursfahrt in Weimar die abgebrannte Anna-Amalia-Bibliothek vor sich gesehen hatte, entstand der Gedanke, den Schillerabend als eine Benefizveranstaltung zu Gunsten dieses Weltkulturerbes zu organisieren. Spenden und Erlöse aus einer Versteigerung von Schiller-Büchern, -CDs und -Drucken des Leistungskurses Kunst fließen in den Wiederaufbau und die Restaurierung der Bibliothek und deren wertvolle beschädigte Werke. Dafür wurde ein Betrag von rund 850 Euro gespendet.
Heiter wie, laut Schiller, eben die Kunst wurde das Programm mit einer Zitatmontage von zwölf „älteren Damen“ eröffnet, die sich zu ihrem fünfzigjährigen Abiturjubiläum im „Schillercafé“ trafen. Doch wer sich nur an den dicken Hornbrillen, geblümten Kleidern und grauen Haaren der Schülerinnen des Deutsch LKs erfreute, musste aufpassen, den Sinn der scheinbaren Plauderei zu erfassen. Und wer schließlich den einen oder anderen Satz wiederzuerkennen meinte, hatte wohl noch einige Werke Schillers im Kopf, aus denen die „alten Damen“ nahezu ausschließlich zitierten.
Die Schiller-Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ wurde in einem szenischen Spiel vorgetragen und dargestellt. Der Lyrik wandten sich Gymnasiasten verschiedener Jahrgangsstufen zu, die in völlig unterschiedlicher Weise Gedichte des Klassikers rezitierten. In griechisch anmutenden Togen wurden von fünf Schülerinnen des Deutsch Grundkurses „Die Ideale“ gepriesen und „Worte des Wahns“ gesprochen. Der Untergang des Schönen wurde im Trauerlied „Nänie“ in einem pädagogischen Gespräch deutlich gemacht. Doch auch einer kritischen Hinterfragung konnte sich Schiller an „seinem Abend“ nicht entziehen. „Warum denn immer Rom?“, stöhnte eine Jugendliche auf der Bühne, als Schiller von der ewigen Stadt im Gedicht „An die Freude“ schwärmte.
Neben weiteren Rezitationen, bereicherte die Musik den Abend. Chor und Orchester brachten unter Leitung des Lehrer-Ehepaars Maria und Rüdiger Kaufmann „Das Lied von der Glocke“ in der Vertonung von Andreas Romberg zu Gehör. Als „Meister“ übernahm der Pädagoge Hans-Wolf Popp die solistischen Bass-Stellen und Lucia Schlee überzeugte mit ihrem Sopransolo. Ein Kontrastprogramm dazu bildete der musikalische Beitrag Ernst-Ulrich Schadows und seines Deutsch Grundkurs das „Punschlied“ Schillers zum Besten gaben.
Dem tänzerischen Element widmete sich der Grundkurs Gymnastik und Tanz, der als „Gruppe aus dem Tartarus“ ausdrucksstark das Leiden der verzweifelten Unterweltbewohner der griechischen Mythologie in Mimik und Gestik umsetzte.
Als stiller Betrachter oder Agitator tauchte Friedrich Schiller in historischem Kostüm, gespielt von Stephanie Althaus, in fast jedem Beitrag auf und führte durch das Programm.
Theresia Keupp