7. LYRIKwettbewerb 2007 der Gymnasien in Mittelfranken

Beim diesjährigen Lyrikwettbewerb, an dem 235 Schülerinnen und Schüler aus Mittelfranken mit mehr als 800 eingesandten Gedichte teilnahmen, belegte Carolin Keupp (K 12) mit ihren Beiträgen den dritten Platz.

Zwei im Rahmen des Lyrikwettbewerbs veröffentlichte Gedichte:

Aufstand – Kleine Lektion für Frühaufsteher

sieben uhr morgens
deutschland steht auf
und geht zur arbeit

außer vier millionen
die bleiben liegen

montags steht es besonders gern auf
aber es arbeitet nicht immer
manchmal steht es auch auf der straße
und probt den aufstand

wenn ein kind hinfällt
und wieder aufsteht
ist es kein aufstehen
sondern ein weiterlaufen
wenn du aber hinfällst
und aufstehst
proklamierst du
deinen eigenen kleinen aufstand
wenn einer aufsteht
und etwas sagt
ist er kein aufsteher
sondern ein redner
und wenn einer aufsteht
und irgendwem hilft
ist das auch kein aufstand
sondern zivilcourage
manchmal steht einer auf
einer allein
den nennt man nicht aufsteher
sondern querdenker

wenn du nicht sofort aufsteht
bist du ein spätaufsteher
da brauchst du bald
gar nicht mehr aufstehen

die vier millionen
stehen auch manchmal auf
zur gleichen zeit sogar

und dann ist das
ein aufstand

Carolin Keupp (2006)

Nachsicht

Soll ich haben
Mit dem Alten
Der eine Waffe
Auf einen Menschen
Richtete
Und abdrückte.

Denn ich war ja nicht dabei
Darf gar nichts sagen.

Nachsicht
Soll ich haben
Mit dem Mörder
Meiner Schwester.

Denn ich kenne seine
Kindheit und Erziehung nicht.

Nachsicht
Soll ich haben
Mit dem Mann
Der sein Wort bricht.

Denn ich darf mich
Nicht einmischen.

Nachsicht
Auch mit dem
Der sich in Bomben legt
In die Luft geht.

Ich darf nicht urteilen
Über seine Kultur und Religion.

Nachsicht
Mit dem Opa
Der in seinem Kopf
Die alten Hymnen summt.

Denn er sei zu alt
Sich der Zeit zu beugen.

Nachsicht
Denke ich
Üben sie nicht
Und wunder mich
Warum alle
Von Nachsicht sprechen
Und doch keiner nachsieht.

Nachsicht
Habe ich mit ihnen
Und verurteile sie
Doch dafür
Dass sie Nachsicht schreien
Und nichts meinen
Als Ignoranz.

Carolin Keupp (2006)