Vom Geistesblitz zum Buch (Quelle: FT vom 27.10.05)

Ewald Arenz’ Lieblingszeit ist das 19. Jahrhundert: eine Zeit der großen Erfindungen, dem ungebrochenen Glauben an den Fortschritt, ohne die Desillusionierung des modernen Menschen.
Dieses Befinden lebt der gebürtige Nürnberger und hauptberufliche Gymnasiallehrer vor allem in seinen Romanen aus. Sein aktuelles Werk „Die Erfindung des Gustav Lichtenberg“ stellte er auf Einladung der Leistungskursleiterin Koschka Hildenbrand zwei Deutschkursen der K13 des Gymnasiums Höchstadt in einer Autorenlesung vor.
Als der Physiker Ludwig Lang, Hauptfigur des Romans, an seinem Arbeitsplatz im Patentamt eine vorsintflutliche Konstruktionszeichnung einer Maschine entdeckt, die nie verwirklicht worden ist, erwacht sein bislang in ihm schlummernder Forschungsdrang. Besessen von der Idee, die altertümlich anmutende Apparatur zu verwirklichen, gelingt es Lang schließlich das schwarz glänzende, gusseiserne Ungetüm in seinem Wohnzimmer zum Laufen zu bringen. Während die Funktion des dampfgetriebenen Räderwerks dem Physiker noch immer verschlossen bleibt, passiert etwas Ungewöhnliches: Lang entdeckt die Liebe zu der Geigerin Elsa. War dies im Sinne des Erfinders Gustav Lichtenberg, der den Bauplan bereits im 19. Jahrhundert entwickelt hatte? In einer zweiten Erzählebene werden Streiflichter aus dem Leben Lichtenbergs eingeblendet, die langsam Licht ins Dunkel bringen sollen. Dabei macht dieser Bekanntschaft mit so ziemlich allen Erfindern und Pionieren der damaligen Zeit, seien es Figuren wie Siemens, Rathenau oder Grundig.
Der Autor Ewald Arenz war aber nicht allein in das Gymnasium gekommen, sondern in Begleitung seiner Lektorin Sabine Kramer aus dem Ars Vivendi Verlag. Gemeinsam stellten die beiden die Arbeitsschritte bei der Entstehung eines Buches vom ersten Geistesblitz bis hin zum verkaufsfertigen Endprodukt vor. „Der Schriftsteller sitzt keinesfalls in seinem einsamen Kämmerchen und wartet, bis irgendwann die Muse hereinflattert und ihn küsst“, erklärte Arenz den Kollegiaten mit einem Schmunzeln. Nach einer groben Strukturierung des Inhalts des Buches, was in Arenz Fall das Zeitalter der Industrialisierung, Liebe und Musik war, welche es zu verknüpfen galt, begann für den Autor die Recherche. Denn alle historischen Anspielungen im Roman basieren auf wahren Gegebenheiten. Und wer hätte schon gewusst, dass die Brüder Mannesmann im 19. Jahrhundert zusammen mit Beduinen durch Marokko ritten? Stets das Gespräch zu seiner Lektorin suchend, welche den überschäumenden Ideenreichtum des Autors sortierte, reduzierte und in die richtigen Bahnen lenkte, entstand so in einem Jahr das Manuskript zur „Erfindung des Gustav Lichtenberg“. Nach einem erneuten Lektorat und der Überprüfung der historischen Gegebenheiten lief das Marketing des Verlages an; galt es doch einen ebenso spannenden wie verkaufskräftigen Titel zu finden und ein entsprechendes Cover entwerfen zu lassen. In einer Vertreterkonferenz stellte der Ars Vivendi Verlag sein Frühjahrsprogramm 2004 vor und hoffte auf den Verkaufserfolg des Buches. Lesungen, Rundfunksendungen und Interviews zur Veröffentlichung runden nun das Leben des Autors rund um seine Neuerscheinung ab.

Text und Foto: Theresia Keupp