Bilingualer Sachfachunterricht – ein Modellprojekt mit Klasse 10 c

Gegenwärtig gewinnen Zusatzqualifikationen neben den Zeugnisnoten an Bedeutung und so spielt auch der bilinguale Unterricht, den es in Ansätzen oder Modulen schon immer an bayerischen Gymnasien gegeben hat, eine immer größere Rolle. Bilingualer Sachfachunterricht ist Unterricht in einem Sachfach wie beispielsweise Geschichte, Geographie oder Wirtschaft und Recht. Neben Deutsch wird z. T. überwiegend eine Fremdsprache als sogenannte Arbeitssprache eingesetzt. Die Schulbuchverlage überbieten sich an Lehrbüchern und Materialien und das Kultusministerium hat eine eigene Homepage für interessierte Lehrer, Eltern und Schüler eingerichtet (http://www.bayern-bilingual.de/gymnasium/).
Bilingualer Sachfachunterricht hat dieser Homepage zufolge folgende Ziele:
„Kurz in drei Schlagworten: vernetzte Sachfachkenntnisse, vertiefte Fremdsprachenkenntnisse und einen Zugewinn an interkultureller Kompetenz“
oder auf Englisch:
“SUBJECT TEACHERS provide the bricks and LANGUAGE TEACHERS provide the mortar ... and BILINGUAL TEACHERS are the architects.”
Diese Entwicklung und die Zustimmung der Klasse, der Eltern und der Schulleitung ermutigten uns, den bilingualen Sachfachunterricht in den Fächern Geographie und Geschichte mit der Fremdsprache Englisch im Schuljahr 2010/2011 als Modellprojekt durchzuführen. Der Zeitpunkt erschien auch deswegen geeignet, weil in der 10. Klasse eine schriftliche Schulaufgabe im Fach Englisch durch eine mündliche Partnerprüfung ersetzt wird, so dass die Erweiterung des Wortschatzes und die Vertiefung der Sprachkompetenz in den Sachfächern wiederum den Englischkenntnissen und der Vorbereitung auf diese Prüfung zu Gute kam.
Für beide Seiten bedeutete diese Form des Unterrichts eine Umstellung: die routinierten Lehrkräfte mussten sich ganz anders (und intensiver) vorbereiten, die Schüler mussten sich auf die Vermittlung der Lerninhalte in der Fremdsprache einlassen und es wagen, ihre eigenen Beiträge in der Fremdsprache zu formulieren.
Anders als beim Fremdsprachenunterricht werden sprachliche Fehler toleriert und so erzielen auch sprachlich am Anfang holprige Beiträge ein freundliches Feedback, immer voraus gesetzt sie sind sachlich richtig.
Gleichzeitig weckt der bilinguale Unterricht die Neugier und das Interesse und oft zeigen sich auch diejenigen interessiert, die dem Sachfach in der Muttersprache nur wenig abgewinnen können. Im unverzichtbar idealen Ambiente der Spracheninsel war es auch möglich durch Einsatz der Laptops, des Smartboards und des Internetzugangs authentisches Material in der Fremdsprache zu präsentieren.
Auch das Feedback unter den Schülerinnen und Schülern war insgesamt positiv, so formuliert eine Schülerin der Klasse ihre Eindrücke folgendermaßen: „Am Anfang des Schuljahres war es etwas schwer, dem Unterricht zu folgen, da man manchmal Vokabeln nicht kannte und diese Form des Unterrichts nicht gewohnt war. Doch mit der Zeit lernte man auch, die geschichtlichen oder geographischen Zusammenhänge aus dem Kontext zu verstehen. Jetzt, so ziemlich am Ende des Schuljahres fällt es einem nicht mehr schwer, den Unterricht in der Fremdsprache zu verstehen und vor allem auch in der Fremdsprache zu antworten.“
Unser Fazit: Wir würden es wieder tun ... und bedanken uns bei der Klasse 10 c, die sich durch ihre Offenheit und freundliches Wesen für das Experiment qualifiziert hat.
Ein kleiner Lohn ist die Zertifizierung der Teilnahme in den Jahreszeugnissen, die damit zu den Zusatzqualifikationen der Schüler zählt.
Die Zukunft: es wäre sicher wünschenswert, diese Form des Unterrichts bei geeigneten Klassen und Lehrerbesetzung zu wiederholen, für die Einrichtung des bilingualen Sachunterrichts als feste Institution dürften die Voraussetzungen (noch) nicht gegeben sein.
Michaela Fröhlich, Christine Prinz