Studienfahrt des LK Deutsch: Auf den Spuren der Klassiker (Quelle: Jahresbericht 04/05)

So beherrschten während der knappen drei Tage, die dem Kurs zur Verfügung standen, vor allem Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller das Programm. Gemeinsam mit einer kompetenten Weimarer Führerin wurde Schillers Bürgerhaus besichtigt, das nicht nur Einblicke in sein Leben als Familienmensch, sondern auch in dessen Leben als großer Literat gewährt. Der Dichter zog erst im Alter von 28 Jahren nach Weimar, unter anderem aus dem Grund, um mit Goethe in Kontakt zu kommen. Doch zunächst gestaltete sich deren Beziehung problematisch, da von Goethes Seite keine Freundschaft gewünscht wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich jedoch eine Gewinn bringende Freundschaft der beiden Literaten, die vor allem in ihren Werken fruchtete.
Am kommenden Tag brachte uns die Führerin das Leben und Wirken Goethes beim Besuch seiner stattlichen Villa näher. Das in weiten Teilen italienisch anmutende Haus erinnert durch seine ausgedehnten Räume, die häufig mit unzähligen Sammelgegenständen bestückt sind, an ein Kunstmuseum und bietet ein absolutes Kontrastpro- gramm zu dem Schillerschen Anwesen. Neben Goethes Schaffensreichtum wurde ein Bild über dessen soziales Umfeld und menschliche Schwächen gezeichnet. Goethe hielt sich nicht nur in seinem Herrenhaus auf, sondern zog sich bevorzugt in sein malerisch gelegenes Gartenhäuschen im Ilmpark zurück. Um das Bild von Goethes Leben in Weimar vervollständigen zu können, wurde auch dieses von den 16 Kollegiatinnen und ihrer Kursleiterin besichtigt, wobei sich letztere von Goethes lauschigem Ruheplatz am meisten entzückt zeigte.
Doch neben den beiden großen Dichtern und Denkern bot Weimar natürlich weit mehr: Von der Anna-Amalia-Bibliothek konnten nach der Brandkatastrophe wenige Monate zuvor leider nur noch die verkohlten Außenwände besehen werden. Doch auch das Franz-Liszt-Haus sowie das Grüne Schloss und die Karl-August Gruft konnten von den Schülerinnen in der Freizeit besichtigt werden. Höhepunkt war nach einem gemeinsamen Abendessen der Besuch des Weimarer Nationaltheaters. Sophokles’ antikes Stück „Antigone“, welches dem Leistungskurs als Lektüre bekannt war, wurde modern inszeniert und fand sowohl begeisterte Anhänger als auch scharfe Kritiker unter dem Kurs. Auch wenn die Gruppe vom eisigkalten und regnerischen November-Wetter alles andere als verwöhnt wurde, so blicken die Schülerinnen und Kursleiterin auf ein interessantes, abwechslungsreiches und gemeinschaftsförderliches Wochenende zurück.
Theresia Keupp