Leistungskurse Kunst und Französisch (K13) in Paris (Quelle: Jahresbericht 02/03)

Wenn einer eine Reise tut ....

„Paris ist ein Fest für's Leben“, schrieb Ernest Hemingway, „eine Stadt voller Höhepunkte in jeder Hinsicht“.
Zu abendlicher Stunde machten sich am 31. Oktober 2002 der Kunst- und der Französisch - Leistungskurs in Begleitung von Frau Döbereiner und Herrn Dr. Kahl auf den Weg, dieser Behauptung nachzugehen.
Ankunft Freitagmorgen um 7.02 Uhr am Gare de l'Est: „Paris s'éveille“ ... und wir stürzten uns sogleich treppab, treppauf durch ein labyrinthisches System von Gängen in den Pariser Untergrund, reihten uns ein in den morgendlichen Strom der Pariser und Pariserinnen, um uns von der Métro zu unserem ersten Zielort, dem Hotel, bringen zu lassen. Nach nur kurzer Erholungspause und einer ersten Stärkung im Café ging es dann auch schon los zur ersten Erkundungstour.
Wir hatten die Qual der Wahl bei dieser Fülle von spannenden „Besichtigungsobjekten“, denn neben dem Kennenlernen der Pariser l'art de vivre, sollte natürlich auch die kunstgeschichtliche Bildung nicht zu kurz kommen, um wenigstens einige der „Höhepunkte“ in natura kennen zu lernen. Der Weg zu unserer Métrostation kreuzte diesmal die Place de la Bastille, die heute allerdings nur noch durch ihren Namen an das berüchtigte Staatsgefängnis als vielgehasstes Symbol absolutistischer Macht erinnert. Stattdessen ist dort heute die 1989 eingeweihte Opéra de la Bastille zu finden, eines der unter Francois Mitterand seit den 80er Jahren in Paris initiierten Architektur - und Kulturmonumente.
Der erste Höhepunkt im wahrsten Sinn des Wortes war dann die Besteigung des Arc de Triomphe. Er ist einmal als klassizistisches Monument zeitlich der Beginn unserer kunsthistorischen Betrachtungen und außerdem verschaffte uns dieser erste Blick von oben auf die Stadt eine erste Orientierung in alle Himmelsrichtungen: Unter uns liegt die berühmte Champs-Elysées, die über den Place de la Concorde hinweg den Blick in südwestlicher Richtung bis hin zum Louvre führt. Diametral entgegengesetzt liegt im Nordwesten das seit Ende der 80er Jahre entstandene Wohn- und Geschäftsviertel La Défense, das mit seinen futuristisch anmutenden Gebäuden einen Spiegel der zeitgenössischen
Architektur Ende des 20. Jahrhunderts bietet. Sein Wahrzeichen, die 110
Meter hohe Grande Arche aus weißem Carrara-Marmor, der zur 200-Jahr-Feier eingeweihte Triumphbogen der Menschenrechte und Symbol der Brüderlichkeit, bildet den Abschluss der historischen Achse vom Louvre bis nach La Défense. Weithin bereits von dort oben aus dem Stadtbild herausragende Sehenswürdigkeiten sind natürlich der Eiffelturm und Sacre Coeur auf dem Montmartre.Es gibt also viel zu tun und zu sehen, packen wir's an!
Die nächsten Tage waren geprägt von einer Begegnung zwischen Tradition und Moderne, vor allem in Bezug auf Architektur und Skulptur. Blicke von oben gab es noch einige, z. B. vom Eiffelturm hinunter auf das nächtliche Lichtermeer von Paris, von den Türmen von Notre Dame aus – ohne jedoch dabei dem Glöckner zu begegnen – und auch der Aufzug auf die Aussichtsplattform der Grande Arche verschaffte uns eine, diesmal etwas distanziertere Perspektive von der Peripherie aus auf die immense Ausdehnung dieser Millionenstadt. Und immer wieder stiegen wir auch hinab in das unterirdische Leben der Stadt, „das wahre Kulturzentrum Frankreichs“, wie der Philosoph André Glucksmann die Pariser Untergrundbahn bezeichnete und von der Franz Kafka 1911 in seinem Reisetagebuch notierte: „Die Métro ist wegen ihrer leichten Verständlichkeit für einen erwartungsvollen Fremden die beste Gelegenheit sich den Glauben zu verschaffen, richtig und rasch im ersten Anlauf in das Wesen von Paris eingedrungen zu sein“.
Kaum zu glauben, aber trotz des ausführlichen Bildungsprogrammes blieb tatsächlich noch Zeit für eigene Erkundungen, wie beispielsweise den Besuch von einem der vielen Flohmärkte, eine fast obligatorische Seinefahrt, die uns einen einzigartigen (bzw. sogar doppelten) Regenbogen über Paris bescherte.
Und was bleibt nach so einer geballten Fülle von Eindrücken in kurzer Zeit? Sicherlich nur eine Ahnung von der Vielfalt, die Paris zu bieten hat, und eventuell nach diesem „Hineinschnuppern“ die Lust auf mehr; vielleicht aber auch die Faszination, einiges von dem, was bisher nur aus Büchern gekannt wurde, „in echt“ gesehen zu haben.

Claudia Döbereiner